Friedensglockentreck nach Jerusalem: Die Glocke hat das Ziel erreicht
Im April war er in Berlin mit den Pferden gestartet mit dem Ziel, Jerusalem zu Weihnachten zu erreichen. Jetzt sind alle Teilnehmer dieses waghalsigen Unterfangens nach „der Reise des Lebens“ wieder wohl behalten zu Hause angekommen.
„Stallgeflüster“ sprach zum Abschluss noch einmal mit Heinz Bley, der nach der Trennung des Trecks an der türkischen Grenze unbeirrt mit seinem Fuhrwerk die beschwerliche Reise durch die Türkei angetreten hatte. Allerdings musste auch hier kurzfristig umdisponiert werden. Bley hatte zwar, da die deutschen Pferde nicht durch die Türkei reisen durften (sie hatten zuvor auf einem Hof pausiert, auf dem eine ansteckende Krankheit grassierte). So hatte sich Bley kurzerhand türkische Pferde (mit Rücknahme-Garantie) gekauft, die den Glockenwagen bis an die syrische Grenze zogen – doch dann brach auch er die Reise mit den Pferden ab. „Wir waren zu früh für ein solches Unternehmen“, stellt er gegenüber „Stallgeflüster“ fest.
Doch vor dem Abbruch erfolgte noch die Übergabe der Glocke an die „Hand in Hand-Schule“ in Jerusalem. „Das ist eine internationale Schule, in der Kinder aller Nationalitäten und Glaubensrichtungen gemeinsam unterrichtet werden,“ erzählt er uns. „Der Termin ‚Weihnachten‘ musste vorverlegt werden, weil die Schule zu dieser Zeit Ferien hat.“ Bley war von der türkischen Grenze aus eigens nach Jerusalem geflogen, um der Glockenübergabe durch den zweiten Teil des Trecks beizuwohnen. Der hatte die Reise mit Pferden an der türkischen Grenze abgebrochen und die große aus Militärschrott gegossene Glocke via Griechenland nach Israel transportiert.
„Die Übergabe war eine beeindruckende Veranstaltung“, berichtet Bley. „Alle Schüler der Schule hatten sich mit Begeisterung versammelt, schritten an der Glocke vorbei und jeder durfte einmal bimmeln. Am beeindruckendsten war für mich der Schulchor, der in vier Sprachen das ‚Halleluja‘ anstimmte. Da bekomme ich jetzt noch Gänsehaut, wenn ich daran denke.“
Von Jerusalem aus fuhr Bley dann mit seiner kleinen Begleittruppe über Jordanien nach Syrien, von wo er ursprünglich die Weiterreise seines Teil-Trecks geplant hatte. „Wir waren dort einige Tage zu Gast bei der syrischen reiterlichen Vereinigung. Und das, was wir dort hörten und sahen, gab für uns den Ausschlag zur Umkehr. Es existiert dort noch kein Seuchenstatus, d.h. wenn man ein Pferd dort hinbringt, ist es nicht sicher, dass es dann auch wieder ausreisen darf – ein Risiko, das mir zu hoch war. Eine weitere Geschichte, die wir zwar schon in der Türkei gehört hatten, die sich aber hier bestätigte, war die von einer PR-Aktion. Reiter sollen von Madrid nach Mekka aufgebrochen sein. Allerdings ritten diese, anders als behauptet, lediglich an einigen Stationen ein paar Kilometer, verluden dann ihre Tiere auf LKWs, um an der nächsten Station das Gleiche zu tun. Damit wollten wir, die wir den ganzen Weg mit den Pferden zurückgelegt haben, auf gar keinen Fall in Verbindung gebracht werden.“
Besonders imponiert haben Bley die Gastfreundschaft und „vor allem die Energie der Leute, die hier den Wiederaufbau betreiben. Viele von ihnen sind erst wenige Tage in ihren Ämtern und sind voller Zuversicht, dass sie es schaffen können. Aber sie haben uns auch etwas mit auf den Heimweg gegeben: ‚Wenn ihr Landsleute von uns bei euch habt, die keine Arbeit finden oder haben, dann verwöhnt sie nicht mit Geld, sondern schickt sie zu uns nach Hause – hier wird jede Hand dringend gebraucht.‘“ Inzwischen sind auch die fünf weißen Freiberger von Heinz Bley wieder wohlbehalten in Crawinkel angekommen. Zwei von ihnen haben am dritten Advent-Wochenende auch bereits einen Termin mit dem Weihnachtsmann auf dem dortigen Weihnachtsmarkt.
Noch nicht zu Hause ist die Kutsche. Sie ist mit Weggefährten ‚Alex‘ auf dem Rückweg durch die Türkei, wo der mit dem Anhänger des Trecks noch einmal an allen Stationen ein großes Dankeschön aussprechen will und ggfs. den einen oder anderen Kontakt auch vertiefen möchte. Seine Rückkehr nach Crawinkel ist am vierten Advent geplant.
„Stallgeflüster“ / E. Stamm
© Fotos: Archiv Bley



