Trakehner Hengstmarkt
Man spricht vom schönsten Hengstmarkt der Welt. Stallgeflüster hat sich vom 27. – 30.11.2025 auf den Weg nach Neumünster gemacht, um in den Holstenhallen dem 63. Hengstmarkt der Trakehner beizuwohnen. Die erste Herausforderung unter erschwerten Bedingungen durch Regen und Sturmböen erfolgte am Donnerstagmittag bei der Pflastermusterung. Die Hengste waren sichtlich angespannt und es bedarf großen Fingerspitzengefühls der Vorführer den Bewegungsablauf der Aspiranten positiv zu gestalten.
Es folgte die Eröffnung der Ausstellung „Flucht der Pferde“ über die beeindruckende Geschichte der Trakehner Historie. Geschichtliche Informationen veranschaulichen die tragische Flucht und die Evakuierung des Gestütes Trakehnen aus Ostpreußen vor 80 Jahren, welche menschlichen Tragödien sich 1944/45 abspielten. Nachwirkend verhungerten im darauffolgenden Winter noch einige Tiere, da kein Futter zur Verfügung stand.
Erhard Schulte lud am Abend zum gut besuchten Kamingespräch ein. Er berichtete über die dramatischen Bedingungen der Flucht vor der sowjetischen Großoffensive nach Westen.
Nach 80 Jahren sind fast alle zur Körung und Auktion kommenden Hengste, Stuten und Reitpferde Nachkommen der aus Ostpreußen geflüchteten Pferde, denen diese Ausstellung gewidmet ist. Eine Buchpräsentation von Erhard Schulte über die wurzelnden Stämme dieser Stutenfamilien rundete den anschaulichen Abend ab. Die Buchpräsentation „Die Stutenfamilien des Hauptgestüts Trakehnen“ richtet sich an Züchter, Historiker und Freunde der Trakehner Zucht. Freitagvormittag wurden die Körkandidaten beim Freispringen gemustert. Bester Springhengst und Publikumsliebling war der sprunggewaltige und mit viel Vermögen ausstaffierte hellbraune Beeten von Allens v. Tecumseh. Die Vorstellung fand in einem Ring statt. Die Pferde liefen eigenständig in die Springgasse und leisteten die Anforderungen alle mit Bravour. Der 10. Trakehner Freispringcup am Nachmittag war mit 10 zuvor qualifizierten 3- und 4-jährigen Pferden besetzt. Hier siegte der 4-jährige Fuchswallach mit weißem Gesicht und blauen Augen Dakota Blue Eyes v. Tecumseh, im Besitz Hendrik Reinelt aus der Zucht von Johann Schaffetter.
Nach der Präsentation der Stuten und Reitpferde wurde das TSF ( Trakehner Sportpferde Förderung) Dressurchampionat ausgetragen. In der Einlaufprüfung der 7 – 10-jährigen qualifizierten Trakehner Dressurpferde siegte Lydia Camp-Riebau mit dem von Ihrem Vater gezogenen Wallach Silverstone v. Hopkins , den sie von Beginn an selbst ausgebildet hat.
Im Finale am Samstag hatte dann der Rapphengst Hallifax Lyng v. E.H. Schwarzgold mit seinem Reiter Anders Sjöbeck Hoeck die Nase vorn.
Es folgte die Auktion der Stuten und Reitpferde. Die Prämien- und Staatsprämienstute Luxus v. Freiherr von Stein wechselte zum Spitzenpreis von 72 000 € den Besitzer. Teuerstes Reitpferd war der Prämienhengst Kiano v. Rheinglanz mit 45 000 €, der in Zukunft einer aufstrebenden Juniorin sicher keine Wünsche offen lässt.
Der Freitag Abend stand ganz unter dem Zeichen der Gala-Schau. Ein abwechslungsreiches Programm aus Dressur, einer magischen Freiheitsdressur mit 10 Pferden, künstlerischen Schaubildern ,Präsentationen der Spitzenhengste und einem Vielseitigkeitswettbewerb, der mit Übertragung auf Leinwand durch zwei Hallen verlief, machten die Traditionsveranstaltung wieder zu einem unvergesslichen und mitreißendem Erlebnis. Samstag wurden die Junghengste im Freilaufen nach dem holländischen Prinzip und im Schritt beurteilt.
Anschließend wurde der einzige Körkandidat der Sattelkörung Dichter`s Easy v. E.H. Easy Game begutachtet. Der 3 jährige Hengst stellte sich in kürzester Zeit auf seinen feinfühligen Fremdreiter Markus von Holdt ein. Er war so begeistert, dass der im Anschluss gekörte Hengst bei der Auktion zum Preis von 44 000 € in seinen Beritt wechselt.
Die Körkommission machte es bei der anschließenden Körentscheidung nochmal spannend. 13 der 35 Körkandidaten erhielten das positive Körurteil. Die 6 besten Hengste daraus wurden als Prämienhengste herausgestellt. Die begehrte schwarz-rot-goldene Schärpe ging an Eichenkönig v. E.H. Kentucky. Nach einem rasanten Bieterduell erhielt das Gestüt Sprehe für 405 000 € den Zuschlag.
Sonntag der 1. Advent stand ganz im Zeichen eines Pferde-Familientages. Eine Mischung aus Sport, Show und Pony- und Pferdekontakt rundete die gelungene Veranstaltung ab.
Stallgeflüster verbrachte ein ereignisreiches Wochenende mit vielen Highlights und hat sich sehr gefreut, für dieses Wochenende ein Teil der legendären Trakehner-Familie gewesen zu sein. Man traf alte Bekannte und neue Kontakte wurden geknüpft. Ein großes Dankeschön geht an Sigrun Wiecha vom Hof Achtern Kamp (Delegierte im Trakehner Verband Zuchbezirk Schleswig-Holstein/Hamburg -Zucht und Pressearbeit-) für die wunderschönen Bilder.
Wir kommen gerne wieder.
„Stallgeflüster“ / A. Schmidt
© Fotos: Sigrun Wiecha




