Lichterglanz und Weihnachtszauber
In den letzten Jahren sind immer mehr Lichterfahrten ins Leben gerufen worden. Alljährlich zur Weihnachtszeit machen sich überwiegend Landwirte die Arbeit und schmücken und dekorieren ihre Zugmaschinen. Das bedeutet viele Stunden der Planung und Umsetzung, aber es bedeutet auch, dass diese Maschine in der Zeit der Lichterfahren nicht einsatzbereit ist. Auch ist der Kostenaufwand für die Dekoration nicht außer Acht zu lassen. Da es mehrere Stunden und Tage Arbeit benötigt, sind die Teilnehmer meist auf mehreren Lichterfahrten unterwegs.
Aber auch für die Veranstalter ist im Vorfeld einiges zu stemmen. So gibt es, stellvertretend für alle, zum Beispiel die Lichterfahrt Aartal. Hier stehen Leif und Jana Wiesenfeld stellvertretend für ein ganzes Organisationsteam im Vordergrund, das sich von Holzheim, Flacht über Niederneisen, Lohrheim, Hahnstätten, Netzbach, Oberneisen erstreckt und seinen Abschluss wieder in Niederneisen hat. Rund 50 Fahrzeuge haben hier teilgenommen. Auch die Lichterfahrt im Westerwald, die an drei Orten, startet und sich zu einem gemeinsamen Abschluss in Weidenhahn trifft, ist jedes Mal gut besucht. Bei solchen Veranstaltungen werden nicht nur am Tag der Fahrt Augen zum Strahlen gebracht, sondern auch noch danach. Auf der Westerwaldtour wurden dieses Jahr z. B. Spenden zu Gunsten der Kinderkrebshilfe Gieleroth gesammelt und sogar extra ein Spendenkonto errichtet.
Zur Planung gehören einige Behördengänge für die Genehmigungen, die Strecken müssen festgelegt werden, Werbung muss angeschoben werden, meist werden Spenden gesammelt, wohin sollen sie dieses Mal gehen, auch das muss wohl überlegt sein. Jedes Jahr wird die Organisation umfangreicher, die Auflagen höher. Mittlerweile werden Gruppen im Internet gebildet, wo der Live-Standort für die Zuschauer eingesehen werden kann und in anderen Gruppe für die Teilnehmer, die sich dort sich kurzschließen können. Stellvertretend ist aber auch eine kleinere Lichterfahrt vielleicht einmal hervor zu heben, die Lichterfahrt Gemünden. Sie ist eine der letzten vor Weihnachten, der Organisator kann eigentlich von beiden Seiten berichten. Die Jungs und Mädels von seinem Betrieb haben schon vor Wochen mit Schmücken angefangen, haben bereits an mehreren Fahrten teilgenommen. Auch die Organisation und der Verlauf der Strecke ist ebenfalls frühzeitig im Internet veröffentlicht worden. Dieses Mal wurde hier für ein Geschwindigkeitsmessgerät im eigenen Dorf und somit für mehr Sicherheit, gespendet. Bei bzw. vor der Aufstellung stärkt man sich traditionell erstmal mit Kräppelchen und Abbelmock.
Der Abschluss findet bei KP, wie Kai Peter Schwarz, der Inhaber des Lohnunternehmens in der Gegend genannt wird, statt. Hier ist in der Vorweihnachtszeit mit viel Liebe zum Detail nicht nur die Lichterfahrt organisiert worden, sondern ein richtiges kleines Weihnachtsdorf entstanden. Ein Wagen mit Tierpräparaten ist aufgestellt um Wald und Natur hautnah zu erleben, Feuertonnen wurden aufgestellt, damit keiner friert, Kühe mit ihren Kälbern, Schafe mit Lämmern, geschnitzte beleuchtete Weihnachtsbäume, überall Lichterketten, kleine Hütten für den Glühwein und Getränkeverkauf, aber auch zum Verweilen wurden errichtet. Mehrere Holzfiguren als Weihnachtskrippe zieren den Platz. Mit viel Liebe wurde vom Team um KP alles organisiert, um nicht nur die Kinderaugen zum Strahlen zu bringen. Rund 20 Fahrzeuge haben in diesem Jahr teilgenommen. Hier wird bewusst die Zahl niedrig gehalten, da am Abschlussplatz nicht ganz so viel Platz für die Fahrzeuge ist, trotzdem ist sie nicht minder interessant. Allen voran, ein Traktor als Weihnachtsschlitten mit Rentier dekoriert, auf dem der Weihnachtsmann Platz genommen hat. Aber es wäre nicht der Weihnachtsmann, wenn er nicht zwischendurch absteigen und kleine Überraschungen an die Kinder verteilen würde. Fragt man die Fahrer und Organisatoren aller Fahrten, wofür sie dies alles machen, wofür sie all dies in Kauf nehmen, hört man Sätze wie: „Hast du schon mal in die leuchtenden Augen geblickt, dass ist der schönste Dank“,
„Wir wollen doch ein gutes Miteinander mit der Bevölkerung und ihnen die heimische Landwirtschaft etwas näher bringen“, „das Strahlen und unser Zusammenhalt ist mein Antrieb“, „Ein Abend, an dem nicht nur Trecker leuchten, sondern auch Kinderaugen, genau aus diesem Grund machen wir das“, „Für ein bisschen Magie, für ein bisschen Hoffnung für ein Lächeln am Straßenrand“. Hoffen wir, dass die Landwirte auch im nächsten Jahr wieder ihre Traktoren wienern und schmücken, um ein bisschen Glanz in die Vorweihnachtszeit zu bringen, um Kinderaugen zum Strahlen zu erwecken und Erwachsene zum Verweilen zu animieren. Fangen wir uns den Sinn der Weihnacht wieder ein.
„Stallgeflüster“ / A. Höhler



