Das Pferd der Wikinger: Norwegisches Fjordpferd
Besonders groß sind sie nicht – dafür aber so kräftig gebaut, dass sie oft auch einen normalgewichtigen Erwachsenen tragen können.Die kleinen Falben aus Norwegen fallen unter Artgenossen vor allem durch ihre Farben auf:
Vom Graufalben, Rotfalben oder Hell- und Gelbfalben bis hin zum Braunfalben haben sie alle den dunklen Aalstrich, der sich von der Mähne bis zur Schweifspitze komplett über den gesamten Pferderücken zieht. Hinzu kommen unterschiedlich ausgeprägte Zebrastreifen an den Beinen – sie sind also unverkennbar und unverwechselbar. Ursprünglich stammt diese Pferderasse aus dem westlichen Norwegen, dem Vestland mit seinen kargen, wilden Hügeln, Bergen und Fjorden. Sie entstand aus den Pferden der Wikinger, die aus ihren Beutezügen auch keltische Pferde aus England und Irland mit nach Hause brachten und dort mit den vorhandenen Pferderassen kreuzten. Die genaue „Mischung“ des ursprünglichen Fjordpferdes ist bis heute nicht bekannt. Dennoch besteht eine Ähnlichkeit mit den Przewalski-Pferden, deren Heimat die Mongolei ist.
Mit zunehmender Sesshaftigkeit der Wikinger entwickelte sich das Fjordpferd zu einem kleinen Arbeitspferd, das sich durch hohe Trittsicherheit und große Tragfähigkeit auszeichnete. Zudem war es, der kargen Landschaft angepasst, überaus genügsam – also ein kleines, robustes Gebirgspferd.

Ab ca. 1820 erfasste und organisierte der norwegische Staat auch die Fjordpferde-Zucht. Man versuchte durch Kreuzungen mit norwegischen Kaltblutpferden die Rasse größer und kräftiger zu züchten – ein Versuch, der scheiterte. Die neuen Mischungen konnten mit ihrem Interieur nicht wirklich überzeugen, waren oft schwierig im Umgang und wenig arbeitswillig. So wurde deshalb ab 1886 eine Rassebereinigung durchgeführt. Alle nicht reinrassigen Tiere wurden von der Weiterzucht ausgeschlossen – und das Fjordpferd wird bis heute in Reinzucht gezogen.
Nach Deutschland kamen die ersten 18 Fjordpferde erst 1940, obwohl sie bereits 1883 auf einer Landwirtschaftsausstellung gezeigt worden waren – als wirtschaftlichere Tiere für die Landwirtschaft als die üblichen Kaltblüter. Da in Deutschland zu der Zeit nur sehr wenige reinrassige Stuten vorhanden waren, kam es auch hier zu vielen Kreuzungen mit andersrassigen Pferden und Ponys, deren Nachkommen als Fjordpferde in die Zuchtbücher eingetragen wurden.
Da ähnlich wie in Norwegen, auch die deutschen Kreuzungsnachkommen Charakter- und Gebäudemängel aufwiesen, beschloss die ‚Arbeitsgemeinschaft der Pony und Kleipferdezüchter‘ bereits 1954 nur noch Stuten zur Zucht zuzulassen, die auf der Mutterseite in drei Generationen die Anpaarung mit einem reinrassigen Fjordhengst nachweisen konnten. Selbst wenn noch Nachkommen dieser Kreuzungen in Deutschland vorhanden sind, ist ihr Fremdblutanteil – so die Interessengemeinschaft Fjordpferd – so gering, dass er züchterisch keine Rolle mehr spielt.
Natürlich war auch in Deutschland das Fjordpferd von der zunehmenden Motorisierung in der Landwirtschaft betroffen und der Bestand nahm dementsprechend ab, bis Freizeitreiter diese freundliche, vielseitig Rasse für sich entdeckten. „Sie sind familienfreundliche Allrounder und eignen sich gleichermaßen als brave Kinderponys, für die sportliche Reiterei bis zu den Klassen A bis L und sind als Kutschpferde zuverlässige, attraktive Passgespann-Partner“, bemerkt Inka Störmann-Thies, Bundeszuchtbeauftragte der Interessengemeinschaft Fjordpferde. Um den steigenden Ansprüchen an Rittigkeit und Vielseitigkeit besser gerecht werden zu können, versuchte man auch in Deutschland wieder eine, leichtere, rittigere Zucht-Variante des Fjordpferdes durch Fremdbluteinkreuzungen zu erreichen. Wie bereits zuvor in Norwegen und Deutschland schlugen auch diese Versuche komplett fehl.
Durch eine gezielte Selektion in der Reinzucht entstanden Fjordpferde „die im Körperbau dem Urtyp noch immer sehr nahe sind. Sie haben eine gute Arbeitseinstellung und jeder Freizeitreiter weiß die Ruhe und Gelassenheit, die für Fjordpferde so typisch ist, zu schätzen. In letzter Zeit ist in der Zucht wieder ein Trend zurück in Richtung Originaltyp zu beobachten. Immer mehr Hengste aus dem Mutterland kommen in Deutschland zum Zuchteinsatz. Heute ist das Fjordpferd fast weltweit verbreitet, der Bekanntheitsgrad steigt langsam, aber stetig,“ sagt Inka Störmann-Thies.

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Quelle: FN—————————————————————————————————————————————————————
„Stallgeflüster“ / E. Stamm



