Der Sattler – Koordinator der drei Komponenten Mensch, Pferd und Sitz
Reiten ist ein toller Sport, wenn man mit seinem Pferd ‚quasi eins‘ sein kann. Dazu gehört nicht nur gegenseitiges Verständnis und Vertrauen oder eine gute Ausbildung der beiden Partner sondern auch das richtige Zubehör. Der Sattel ist dabei ein wichtiger Bestandteil im Zusammenspiel – schließlich verteilt er die Last des Menschen auf dem Pferderücken.
Er beeinflusst den korrekten Sitz und das sorgt dafür, dass die Hilfen richtig ankommen. Der richtige Sattel – ein Thema das fast jeder Reiter kennt und bei dem es vielen kalt den Rücken hinunter läuft, wenn es darum geht, dass der Alte nicht mehr passt und ein neuer gebraucht wird.
Das Angebot an Sätteln ist mittlerweile so riesig, dass sich der Laie, selbst wenn er weiß, in welcher Disziplin des Sports er unterwegs ist, kaum noch einen Überblick hat. Sicher, er soll schonend für das Pferd sein, nicht drücken, Schulterfreiheit gewährleisten und schließlich auch noch bequem für den Menschen sein. Eine ‚eierlegende Wollmilchsau‘ also?
„Nein“, sagt Ronja Walter. Sie ist gelernte Sattlerin und hat sich vor rund zwei Jahren selbständig gemacht. Mit ihrem selbst ausgebauten Van ist sie vier Tage in der Woche unterwegs zur Kundenbetreuung. Hier muss ein Sattel nachgestellt werden, dort ein wenig aufgepolstert oder auch ein wenig herausgenommen werden.
„Pferde verändern sich durch wechselnde Beanspruchung genau so, wie wir Menschen das tun. Uns passt die Hose auch nicht immer gleich gut – vor allem nach Feiertagen“, grinst sie. „Aber wenn man seinen Beruf gelernt hat und weiß, was man alles wie beeinflussen kann, dann ist das kein großes Problem.“
„Gravierende muskuläre Veränderungen finden vor allem bei jungen Pferden statt. Sobald sie in die Arbeit kommen, entwickeln sich Muskeln – das hat natürlich dann Einfluss auf die Lage des Sattels. Was vorher gepasst hat, muss nach drei Monaten nicht zwangsläufig immer noch passen“, erläutert die Fachfrau. „Hinzu kommt, dass die Entwicklung oft nicht gleichmäßig, sondern eher einseitig, erfolgt. Da muss ich dann als Sattlerin den Reiter aufmerksam machen und den Sattel so gestalten, dass sich auch auf der anderen Seite die Muskulatur gesund entwickeln kann.“
Zum Handwerk des Sattlers gehören also nicht nur der handwerkliche Umgang mit Leder, sondern zwangsläufig auch ausführliche Kenntnisse in der Anatomie des Pferdes, des Bewegungsapparates, der Muskeln und Gelenke. „Nur wenn ich dieses Wissen habe, kann ich sehen, wie und wo ein Sattel auf dem Pferd liegen muss, damit es in seiner Bewegungsfreiheit nicht eingeschränkt wird oder es in seiner Entwicklung sogar unterstützen. Deshalb ist Anatomie neben den anderen Themen wie Wirtschaftslehre oder technischem Zeichnen, einer der Schwerpunkte bei der Ausbildung zum Sattler.“
Ronja Walter ist begeistert von ihrem Beruf. „Ich kann mit meinem Handwerk so viel beeinflussen – dann darf ich die Veränderungen beobachten, und schließlich bekomme ich das auch noch bezahlt. Was könnte es Schöneres geben, wenn man mit Pferden arbeiten möchte?“
„Natürlich gehören beim Reiten immer zwei dazu. Was hilft es, wenn der Sattel jetzt perfekt zum Pferd passt, der Mensch, der dazu gehört, aber nicht darauf sitzen kann. „Da gibt es viele Dinge, die man ändern kann, um den besten Weg für Beide zu finden. Oft sind es Kleinigkeiten, z.B. das Verstellen einer Pausche, die das ganze dann für beide Beteiligten harmonisch machen. Deshalb schaue ich mir immer beide zusammen an – das Pferd und den Reiter. Denn schließlich haben auch Menschen einen unterschiedlichen Körperbau. Manch einer neigt dazu, sich nach vorne zu lehnen, der andere nach hinten – alles Dinge, die ein guter Sattler ausgleichen kann.“
Obwohl das ‚passend machen‘, ein wichtiges Thema für Ronja ist, weiß auch sie, dass manchmal ein neuer Sattel notwendig ist – meist, wenn ein neues Pferd gekauft wurde, oder die Möglichkeiten zur Veränderung am alten Sattel endgültig ausgeschöpft sind.
Da stellt sich natürlich die Frage welchen Sattel empfiehlt die Fachfrau? „Keinen“, so lautet die Antwort. „Das A und O beim Sattelkauf ist das Pferd. Ein neuer Sattel muss dem Tier und Menschen passen und der Sattler hat die Aufgabe, bei der Auswahl mögliche Entwicklungen des Pferdes zu berücksichtigen, damit der Sattel nicht nur drei Monate lang passt, sondern dauerhaft so eingestellt werden kann, dass das Optimum erreicht wird.“ Aus diesem Grund hat sich Ronja auch nicht mit einem ‚Hersteller verheiratet‘ sondern führt eine ganze Reihe von Marken unterschiedlicher Preisklassen und Modelle. „Nicht immer ist der teuerste Sattel für das jeweilige Tier auch der Beste. Man muss immer die Anatomie berücksichtigen.“ Eines ist ihr allerdings extrem wichtig: Der Sattel muss jederzeit verstellbar sein, denn nur so kann er langfristig perfekt passen. Natürlich wollen wir von der Fachfrau auch wissen, wie sie zu maßangefertigten Sätteln steht. „Auch hier bekommen wir wieder die gleiche Antwort wie zuvor: So lange sie so gearbeitet sind, dass man sie verstellen kann, ist das sicherlich eine gute Sache.“ Trotzdem weist sie uns darauf hin, dass auch die Sättel von ‚der Stange‘ kein ‚Einheitsbrei‘ sind. Wenn ich solche Sättel bestelle, habe ich – je nach Hersteller – eine Auswahl von bis zu neun Konfigurationsmöglichkeiten. Das fängt beim Sattelblatt an und hört bei der Kissen-Länge und -Breite oder der Gurtung noch längst nicht auf.“
Also auch bei der Bestellung eines Standard‘-Sattels sind Fachkenntnisse und Erfahrung eines guten Sattlers mehr als gefragt. Da wünschen sich viele ‚sattelgeschädigte‘ Reiter, dass sich auch in Zukunft möglichst viele junge Menschen finden, die diese anspruchsvolle Ausbildung zu ihrem Beruf machen und ihnen mit fachkundigem Rat und Tat zur Seite stehen.
Kontakt:
Sattlerei Eden
63607 Wächtersbach
www.sattlerei-eden.de
Tel. 0160/1255070
Email: info@sattlerei-eden.de
„Stallgeflüster“ / E. Stamm



