Der gute Ton macht’s – auch im Sport
Der Umgangston in Deutschland wird immer rauer. Das ist eine Meldung, die jeder von uns aus den öffentlichen Medien kennt und selbst wahrscheinlich schon erfahren hat. Sepp Gemein, Landestrainer der Jugend in Rheinland-Pfalz beobachtet dies leider auch auf den Turnierplätzen und findet es schade. Deshalb hat er sich vor allem auch mit dem Thema „TT“, also die die Jugendlichen begleitenden erwachsenen Helfer und meist auch „Transporteure“ beschäftigt:
Mal etwas für die fleißigen Helfer der Reiter
Wie werde ich TT?
Meistens ganz einfach.
Dein Kind reitet und braucht natürlich Hilfe. Erst einmal muss mein Kind ja in den Stall kommen, also muss ich es fahren. Wenn ich schon mal im Stall bin und eine Zeitlang dort bleibe, kann ich mich auch nützlich machen.
Hilfe hier und dort. Ob man als Sattelschlepper fungiert, die Äppel entfernt, oder das Hindernis rauf und runter macht. Man kann sich einbringen. Schließlich lernt man ja auch etwas dabei und ist als Familie zusammen, bei dem schönsten Sport der Welt, den mit den Pferden.
Zuhause funktioniert das zumeist ganz gut, da dort eine klare Struktur herrscht, man sich untereinander kennt und somit zumeist auch rücksichtsvoll miteinander umgeht.
Anders wird die Geschichte auf dem Turnier. Nicht vertraute Umgebung, Nervosität, Stress beim Parken, Pferd ist auch aufgeregt, lässt sich nicht so wie zuhause fertigmachen. Die Struktur von zuhause ist dahin.
Dann der Abreiteplatz, viel zu viele Pferde, wie soll man dort in Ruhe sein Pferd abreiten können. Hier kann auch der Richter einen Teil dazu beitragen, für Ordnung, Disziplin und ein gutes Miteinander zu sorgen.
Jedoch kann ich als TT erheblich dazu beitragen, dass eine klare Struktur auf dem Abreiteplatz herrscht. Nicht wie man dies vielfach beobachtet, dass jeder sein Ding macht.
Wir sind jetzt auf dem Abreiteplatz und die „Wichtigsten“ im Moment. Wir springen jetzt und der Sprung wird einfach höher oder tiefer gemacht, mitten auf dem Platz wird die Jacke ausgezogen, Kopfnummer drangemacht … und, und, und…
Eine Tochter kommt zu ihrem Vater an den Zaun und sagt, ich hab‘ jetzt dreimal Steilsprung frei gerufen und komme nicht zum Springen. Antwort des Vaters, „dann musst du lauter schreien.“
Eine andere Reiterin kommt auf den Abreiteplatz, ist etwas spät dran, galoppiert ohne Rücksicht auf Verluste gegen den Verkehr und motzt andere an, dass sie ihr nicht in den Weg reiten sollen.
Egoismus ist etwas was man nicht braucht. Es kann auch anders gehen.
„Miteinander“ heißt hier das Zauberwort und auch sollte die Rücksichtsnahme nicht zu kurz kommen.
Wenn ich als TT den Abreiteplatz betrete, was ja notwendig ist, falls kein Trainer vorhanden, dann sollte ich mich anhand der Starterliste informieren, wer kurz vor und wer kurz nach meinem Kind an der Reihe ist.
Eine freundliche Begrüßung der Anwesenden TT`s trägt dazu bei, das Eis zu brechen, um vernünftig miteinander umzugehen. Man kann sich absprechen, das man mit mehreren zusammen abspringt, wobei auch wichtig ist, das der Abreiteplatz fehlendes Training nicht ersetzen kann.
Zumeist wird zu viel abgesprungen, was für Kondition und Nervenkostüm der Pferde nicht förderlich ist. Ein paar Aufwärmsprünge, bei denen nicht entscheidend ist ob 5 cm höher oder tiefer abgesprungen wird, sondern die Ruhe und die gezielte Vorbereitung.
Deshalb sind die TT`s unheimlich wichtig. Sie können indem sie miteinander kommunizieren einen erheblichen Beitrag dazu leisten, Ordnung und Struktur auf den Abreiteplatz zu bekommen und ganz ehrlich, man lernt man dabei auch nette Menschen kennen, die die gleichen Ziele haben.
Wie sollte ich mich als TT auf einem Turnier verhalten.
Freundlichkeit
Komme ich auf dem Turnier an und begrüße den Parkplatzanweiser mit einem freundlich, dann ist er der erste, den ich als TT positiv stimmen kann, weiter geht es auf der Meldestelle, bei der Parcoursbesichtigung, dem Abreiteplatz, der Gastronomie und wo auch immer.
Freundlich sein kostet nichts und tut nicht weh.
Eine alte Weisheit besagt:
Wie du kommst gegangen, so wirst du auch empfangen.
Respektvoll
Wertschätzend sein, sich auf Augenhöhe begegnen, den anderen gegenüber die Anerkennung zeigen und höflich miteinander umgehen.
Rücksichtsvoll
Rücksicht nehmen auf die Interessen der anderen. Mit anderen so umgehen, wie man selbst behandelt werden möchte.
Fazit:
Wir lieben alle unseren Sport mit den Pferden und fahren zum Turnier, um uns mit anderen zu messen. Dabei sollten wir einen fairen Umgang mit unserem Sportpartner dem Pferd, aber auch mit unseren Konkurrenten pflegen und allen anderen die mittelbar und unmittelbar mit dem Sport zu tun haben.
In diesem Sinne
Sepp Gemein
© Foto: Stallgeflüster Archiv



