Lena Grühn: Eine junge Frau mit Fleiß und Biss
Regelmäßig stellt „Stallgeflüster“ in seinen Ausgaben außergewöhnliche Reiterinnen oder Reiter vor.
Für diese Ausgabe von „Stallgeflüster“ machte sich Redakteurin Elke Stamm auf den Weg nach Hambach in den Ausläufern des Westerwaldes. Ziel des Besuchs: Lena Grühn, die bereits im Alter von 21 Jahren die Anforderungen für das kombinierte Goldene Reitabzeichen erfüllt hatte. Heute leitet sie u.a. das Training des Landeskaders für Para-Reiter im Pferdesportverband Rheinland-Pfalz.
Der kleine, rund 500 Einwohner zählende Ort liegt malerisch in Wälder und Wiesen eingebettet rund fünf Kilometer von Limburg entfernt und etwa vier von Diez an der Lahn. Eine Landschaft, die den Besucher dazu animiert, die ‚Seele baumeln zu lassen‘.
Der Hof, auf dem Lena aufgewachsen ist, liegt etwas außerhalb der Ortschaft, ebenfalls umgeben von großen Wiesen, eingerahmt von Wäldern. Hier empfängt uns die heute 23jährige gemeinsam mit einem Rudel von vier freundliche kleinen und größeren Hunden.
„Ursprünglich war dies ein Milchviehhof“, erzählt uns die junge Frau, der ihre Eltern den Hof bereits übergeben haben. „Meine Mama kam aus dem Pferdesport und so gehörten Pferde bereits immer zum Hof dazu. Doch mit der Zeit kamen immer mehr dazu, denn meine Eltern wollten vor allem eine tiergerechte Haltung und das wurde für die Milchproduktion dann zunehmend schwieriger – auch ein landwirtschaftlicher Betrieb muss sich schließlich rechnen.“
Heute ist der Hof eine Reitanlage mit rund 80 Pferden, einer modernen Reithalle, einem Springplatz, Laufställen und Einzelboxen, die allerdings alle den Pferden den Sozialkontakt zu den Nachbarn ermöglichen. Rund zwanzig Pferde gehören der Familie – darunter Zuchtstuten, Hengste und natürlich der Nachwuchs, der hier auf den weiten Wiesen aufwachsen darf.
Reiten – das tut Lena schon immer. „Ich glaube, ich saß schon auf den Pferden, bevor ich richtig laufen konnte“, grinst sie und erzählt stolz, dass die meisten Pferde, die sie auf Turnieren vorstellt, aus der eigenen Nachzucht stammen. So auch ihr derzeitiges Erfolgspferd im Springen, Mr. Crazy Verde. Ich war bei seiner Geburt dabei, habe ihn selbst angeritten und dann weiter ausgebildet. Das ist das Schöne an meinem Beruf, wenn man so direkt an der Entwicklung beteiligt ist und sich wirklich gut kennt.
Apropos Beruf – obwohl der Hof Eigentum der Familie ist und die Eltern ihn bereits an Lena übergeben haben, bestanden sie darauf, dass das junge Mädchen nach Schulabschluss eine Ausbildung absolvierte, die nicht unmittelbar mit der Landwirtschaft und den Pferden zusammenhängt. So schloss sie unmittelbar bevor sie ihre Ausbildung zur Pferdewirtin bei Jörg Oppermann begann, zunächst die Ausbildung zur Sozialassistentin erfolgreich ab. „Das war teilweise ganz schön hart“, erzählt die eher zart wirkende junge Frau der Redakteurin.
„Schließlich hatte ich neben der Ausbildung auch noch meine eigenen Pferde und der Hof hier verlangt auch einiges an Einsatz.“ Das können wir uns gut vorstellen, wenn wir über die Flächen schauen, die Lena ihr Eigen nennt: Insgesamt 107 Hektar werden hier im Familienbetrieb bewirtschaftet. „Wir produzieren unser eigenes Heu und Stroh, das ist eine Menge Arbeit.“
Fleiß und Ehrgeiz – das sind die Stichworte. „Denn Talent alleine bringt im Sport nicht weiter“, erklärte Kadertrainer Sepp Gmein einmal gegenüber „Stallgeflüster“. Ehrgeizig – so schätzt man die junge Frau zunächst einmal gar nicht ein – sie wirkt eher locker und gelassen. Aber, sobald das Gespräch auf die Pferde kommt, merkt man schnell, dass sie da feste Vorstellungen hat: „Mir ist es wichtig, dass alle Pferde regelmäßig draußen auf den Wiesen sein können, auch die Hengste.“ Das ist bei einer so großen Zahl von Pferden sicherlich ein ehrgeiziger Anspruch. Und noch mehr zum Thema ‚Ehrgeiz‘: Auch wenn die kleine Lena bereits im Windelalter schon auf Ponys saß und die Mama aus dem Sport kam „Meine Eltern hatten keinen Ehrgeiz, dass ich sportliche Erfolge mit nach Hause bringe. Ich hatte immer gute, zuverlässige Ponys. Mit denen bin ich viel im Gelände unterwegs gewesen, teilweise auch ohne Sattel. Auch heute reite ich, wenn mir nicht nach Training und Lektionen zumute ist, mit allen Pferden raus. Ich glaube, dass der nicht vorhandene Druck meiner Eltern dazu beigetragen hat, dass ich selbst einen gewissen Ehrgeiz entwickelt habe.“
Doch Lena Grühn reitet nicht nur selbst, sondern arbeitet inzwischen auch als Trainerin: Sie ist Leiterin des Landeskaders für Para-Reiter im Pferdesportverband Rheinland-Pfalz. „Als mich Martina Halter, die Fachwartin für die sportliche Leitung und Koordination der Para-Dressur in Rheinland-Pfalz ansprach, ob ich das übernehmen könnte, war ich zunächst sehr unsicher. Das schien mir doch eine schwierige Aufgabe zu sein. Doch dann haben wir ein paar Probe-Lehrgänge absolviert und ich habe mich entschieden, das zu übernehmen.“
„Ich habe großen Respekt vor den Menschen, die mit Einschränkungen leben müssen und trotzdem den Spaß am Reiten finden. Bemerkenswert ist auch die Leistung der Pferde dieser Reiter. Was diese Tiere an Einschränkungen ihrer Reiter kompensieren können, ist enorm.“

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„Für mich als Trainer ist diese Aufgabe auch eine Herausforderung. Denn schließlich muss man einen Weg finden, wie bestimmte Dinge schließlich doch funktionieren, wenn beispielsweise ein Reiter links gelähmt ist und dort keine Hilfen geben kann. Da muss man als Kader-Trainer möglichst eng mit dem Heim-Trainer zusammenarbeiten, um Anreize zu schaffen und umzusetzen.“ Die Kader-Lehrgänge Rheinland-Pfalz finden vier Mal jährlich statt, doch Lena Grühn versucht jetzt auch über Online-Unterricht ihre Reiter mehr und häufiger zu unterstützen. Und, betrachtet man den Lebenslauf der jungen Frau, wird ihr dies trotz eigenem Betrieb und sportlichen Ambitionen sicherlich gelingen.
Für die Zukunft möchte sich Lena weiterhin dem Beritt und der Ausbildung ihrer eigenen jungen Pferde widmen sowie dem Beritt und der Ausbildung der Einsteller-Pferde. „Schließlich kenne ich unsere eigenen seit ihrer Geburt und es ist das Schönste für mich, sie je nach Charakter und Veranlagung weiter zu bringen. Jedes Pferd ist immer anders und schließlich kein Arbeitsmaterial.“
Da kann sich „Stallgeflüster“ für dieses Gespräch nur bedanken und ihr weiterhin viel Glück und Erfolg bei ihrer Arbeit wünschen.
„Stallgeflüster“ / E. Stamm



