Neu-Isenburger Sportpferdetage: Erstmals mit Barock Cup

Der RFV-Neu-Isenburg hatte erstmals in Hessen neben den üblichen FN-Prüfungen auch zwei Prüfungen für klassisch barockes Reiten ausgeschrieben – Grund genug für „Stallgeflüster“ sich dies einmal genauer für Sie anzuschauen.
„Reitsport zum Anfassen – Spaß für die ganze Familie – Großartige Gastronomie“ … mit diesen Schlagworten warb der RFV Neu-Isenburg für sein diesjähriges Reitturnier. Und obwohl Werbeaussagen meist lediglich ‚Schall und Rauch‘ sind, hier fand „Stallgeflüster“ die Versprechen tatsächlich eingelöst. Eine entspannte, ungezwungene Atmosphäre empfing „Stallgeflüster“-Redakteurin Elke Stamm, als sie am Samstag vormittag auf der Anlage ankam. Da gab es keine Hektik, keine Endlos-Schlangen an der Meldestelle, alles erschien völlig relaxt, obwohl auf dem Dressurplatz bereits erste Dressur-Prüfungen stattfanden.
Während die Dressurreiter sich auf dem einen Platz in einer L-Dressur maßen, wurde Platz 2 vorbereitet für Hessens ersten Barockpferdecup Kl. A. Ganz entspannt wurde zunächst der Platz gefahren, am Rand standen bereits ein- oder zwei Pferde und warteten auf ihren Einsatz. Da wurde der Unterschied zum ‚normalen‘ Dressurreiten schon deutlich: Hier gab es kein schwarz-weiß. Die Starterinnen trugen entweder den klassischen portugiesischen Reitrock oder erschienen in barocken Jacken mit Dreispitz und passendem Zubehör. Ebenso bunt wie die Reiter – auch die Pferde: Die einen etwas schlichter, die anderen dafür hübsch geschmückt. Auch eine A-Prüfung wird in dieser Reitweise bereits als Kür zu Musik geritten. Zu den Pflichtelementen gehören die drei Gangarten Schritt, Trab und Galopp sowie Galoppverstärkung über mindestens zwanzig Meter. Die Grußaufstellung erfolgt im Halten. Die Lektionen sind nicht fest vorgegeben – es sind auch höhere und zirzensische Lektionen (z.B. spanischer Schritt) erlaubt. Diese fließen dann in die B-Note ein. Bewertet werden Choreographie, Ideenreichtum, Harmonie zwischen Reiter und Pferd, die Ausführung und Korrektheit der gezeigten Figuren und Lektionen, Durchlässigkeit, Maultätigkeit, Freude des Pferdes an der Mitarbeit, Sitz und Einwirkung des Reiters, Leichtigkeit der Darbietung und last but not least auch das Zusammenpassen von Vorstellung und Musik. Dabei soll die Kleidung des Reiters der Reitweise, der Musik und der Ausrüstung des vorgestellten Pferdes angepasst. Die Zäumung des Pferdes ist frei wählbar, wobei Hilfszügel nicht erlaubt sind. Also ganz andere Anforderungen, als in den ‚normalen‘ Dressur-Prüfungen der Klasse A. Die Vorstellungen während der Prüfung waren abwechslungsreich, das Musikspektrum reichte von klassischer Musik bis zu mitreißenden portugiesischen Rhythmen – wen wundert‘s: die meisten Pferde waren portugiesischer Herkunft. Natürlich kam es auch hier, wie in jeder anderen A-Prüfung zu der einen oder anderen kleinen Panne: Da gruselten sich beispielsweise die Youngsters unter den Vierbeinern ganz schrecklich vor der Sonnenspiegelung des weißen Richterwagens oder den Lautsprechern der Musik-Technik. Dennoch ein schöner Start in eine Reit-Disziplin, die heutzutage relativ unbekannt ist.

Natürlich will „Stallgeflüster“ auch den Barockpferdecup Kl. L sehen, der für den Nachmittag auf dem Programm steht. Die Zeit bis dahin nutzen wir dazu, ein wenig über das Turniergelände zu bummeln. Denn auch hier wird einiges geboten. Eine Geflügelausstellung zieht unsere Blicke auf sich: Neben flaumigen Seidenhühnern, niedlichen Zwerghühnern und natürlich auch chinesischen Pfautauben tummeln sich weitere Hühner- und Taubenrassen, die wir noch nie gesehen haben. Hier an diesem Ausstellungsstand können sich auch die kleinen Turnier-Besucher vergnügen, Kinderschminken gehört zum Programm. Gleich gegenüber ein Stand mit Leckereien, Waffeln, Erdbeeren und Sahne – wer kann da schon widerstehen? Und Nachmittags kommt auch noch der Eiswagen und ergänzt die Zahl der Aussteller, die ein umfangreiches Angebot an Reitzubehör (auch iberisches) und sonstigen hübschen Kleinigkeiten präsentieren. Die Wahl des Mittagessens auf diesem Turnier fällt schwer. Soll es lieber ein verspätetes Frühstück mit Eiern und Speck sein, Chicken Curry oder doch lieber die Klassische Curry-Wurst mit Pommes? Die Wahl fällt schwer. Es gibt eine Reihe von Angeboten, die man am liebsten alle probieren möchte. Schade, dass zum Nachtisch nur ein Stück der selbstgebackenen Kuchen noch geht. Und das Ganze ohne Schlange-Stehen, denn die Stände sind über das Gelände verteilt. Und die Preise? Auch sie führen eine Familie mit Kindern nicht in den wirtschaftlichen Ruin. Dann wird es Zeit für die Barock-Prüfung Kl. L. Auch hier wieder ein entspannter Beginn, bunte Reit-Kostüme und geschmückte Pferde. Die Anforderungen sind hier etwas höher als am Morgen: Außengalopp auf beiden Händen mindestens 40 m., Kurzkehrt, Zügel aus der Hand kauen lassen, versammelter Trab, beide Grußaufstellungen im Halten, zirzensische und höhere Lektionen sind erlaubt und fließen in die B-Note ein. Die Bewertungskriterien entsprechen denen aus dem A-Cup. „Auch wir haben uns hier erst ein wenig einarbeiten müssen“, erklärt einer der Richter, die noch nie solche Prüfungen gewertet haben. „Aber letzten Endes waren alle zufrieden, sowohl die Reiter als auch die Richter. Und das ist doch die Hauptsache“, meint er. Noch einmal eine kurze Pause für „Stallgeflüster“, dann geht’s auch schon an das Showprogramm. Da begeisterten Anne und Sophia Wölert sowie Victoria Braun vom Nussbaumhof in Großostheim zur Eröffnung das Publikum mit einem Pas de Trois, der sich sehen lassen konnte. Später gab es noch eine ebenfalls sehenswerte Freiheitsdressur, die Vorführung eines hochdekorierten Deckhengstes, ein Polospiel der Frankfurter Polo Club sowie ein spektakuläres, mitreißendes Jump & Drive.
Aber das, was „Stallgeflüster“ am meisten imponierte, das war die Moderation dieses Abends. Hier erklärte die Moderatorin in Kooperation mit den Akteuren, dem Publikum, was es Spezielles zu sehen bekam. So hatte jeder, auch die Nicht-Pferdeleute unter den Zuschauern, die Chance die Besonderheiten der einzelnen Show-Elemente zu verstehen. „Ziel des RFV Neu-Isenburg ist es, auch möglichst viele Nicht-Pferdeleute für unsere Veranstaltung und den Pferdesport zu interessieren“, erklärte uns Sandra Lang vom Vorstand des Vereins bereits im Vorfeld der Veranstaltung. Fazit von „Stallgeflüster“: Das ist hier bestens gelungen.
„Stallgeflüster“ / E. Stamm



