Frühjahr ist Fohlenzeit
Mit Spannung erwartet: Die ersten Fohlen erblicken jetzt das Licht der Welt. Für viele Züchter ist das ein Grund zur Freude, doch auch ein Augenblick voller Sorgen. „Wird die Geburt gut gehen? Oder gibt es Komplikationen?“ Nicht nur das treibt die Besitzer trächtiger Stuten an. Obwohl die meisten Fohlen-Geburten problemlos von statten gehen, gibt es immer wieder Problem-Fälle. Und dann stellt sich plötzlich und völlig unverhofft die Frage: Was nun?
Kommt es zu einem Fall, in dem entweder das Fohlen oder die Stute den schweren Augenblick nicht überleben, ist schnelle Hilfe erforderlich. Denn das überlebende Waisenfohlen braucht dringend Muttermilch. Und allzu lange Transportwege sind in solchen Fällen oft nicht ratsam.
Deutschlandweit gibt es einige Initiativen, die sich „schnelle Hilfe“ in solchen Fällen zum Ziel gesetzt haben und teilweise sogar bundesweit verwaiste Fohlen und Stuten zueinander bringen. Eine von ihnen ist Ingrid Wiegmann. Die in Schleswig-Holstein lebende Zucht-Expertin hat es sich zum Ziel gesetzt, bundesweit Ammen-Stuten und Waisen-Fohlen zu vermitteln. Bei der Vermittlung gehört es zum Ziel, die Stuten möglichst in ihrer vertrauten Umgebung zu lassen und die Fohlen dort hin zu bringen. Im vergangenen Jahr waren es 200 bis 250 Fälle, in der die ehrenamtliche und unabhängige Initiative helfen konnte und allen Paaren geht es noch heute gut. Die Koordinierungsstelle ist rund um die Uhr unter der Telefonnummer 0173–51 51 395 erreichbar. Weitere Informationen gibt es im Internet unter: ammenstuten-deutschland.de. Auch auf Facebook und Instagram gibt es Gruppen, die helfen, im Notfall eine Ammenstute zu finden. Hinzu kommen die Initiativen verschiedener Zuchtverbände.
Allerdings rät Ingrid Wiegmann, die bundesweit bestens vernetzt ist, dringend davon ab, Waisen-Fohlen oder Ammenstuten ins Internet zu stellen: „Sie glauben gar nicht, wer das alles sieht. Da geht in einem solchen Fall das Telefon bis zu dreißig Mal am Tag. Das ist weder hilfreich für den Züchter, noch für uns, denn da ist das dringend notwendige Telefon dann besetzt. Und in manchen Fällen rufen sogar noch nach ein bis zwei Jahren Menschen an. In den meisten Fällen ist unsere Telefon-Info ebenso schnell wie das Netz und wir sind sehr schnell informiert.“
Wiegemann hat sich seit langen Jahren auf die Vermittlung und das Zusammenführen von Ammenstuten und Waisen-Fohlen spezialisiert,. „Wir sind inzwischen auch in der Lage, erfolgreich zu helfen, wenn eine Stute ihr Fohlen nicht annimmt,“ erzählt sie uns.
Zu einer weiteren, aus ihrer Sicht ganz wichtigen Aktivität ruft sie bundesweit jeden Pferdezüchter auf: „Wenn jeder Züchter von jeder seiner Stuten 200 ml Biest-Milch abmelkt und sie einfriert (am besten in einem Stillbeutel aus der Apotheke) haben wir durch unser Netzwerk bundesweit überall in der Nähe das von neugeborenen Fohlen dringend benötigte Kolostrum. Wir haben damit schon vielen Fohlen helfen können – daher unser Apell: Bitte melken Sie die 200 ml ab, frieren sie ein und melden es uns. Damit können wir andere Züchter im Notfall kostenlos unterstützen, das hilft allen.“ Die eingefrorene Milch hält sich etwa 15 Monate lang.
Auch wenn wir alle uns wünschen, dass Stute und Fohlen nach dem ‚großen Ereignis‘ wohl auf sind, die Trächtigkeit problemlos verlief, sollte man sich vielleicht bereits vor der Geburt eine Notfallnummer bereithalten, damit es im schlimmsten Fall noch eine Chance auf einen guten Ausgang gibt.
„Stallgeflüster“ / E. Stamm



