Schimmel – oft unsichtbar, doch großer Feind für Mensch und Tier
Die hohe Zeit der Heu-Ernte ist vorbei – viele Ställe decken sich jetzt mit den Vorräten für’s kommende Jahr ein. Doch, welches Heu soll man kaufen – früh gemähtes enthält Gerüchten zufolge noch zu viel Eiweiß, spät gemähtes sei besser. ‚Stallgeflüster‘ unterhielt sich mit Grünlandberaterin Katharina Weihrauch über dieses Thema und erfuhr viel Wissenswertes.
„Generell gilt, dass je älter das Gras ist, das zu Heu verarbeitet wird, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass bereits Zersetzungsprozesse stattgefunden haben. Zwar hat früh gemähtes Gras hohe Eiweiß- und vor allem Zuckergehalte, zu spät gemäht, entstehen aber bereits erste Zersetzungsprozesse an denen Schimmelpilze beteiligt sind“.
Als Faustwert für den richtigen Zeitpunkt zum Mähen nennt Weihrauch den 15. Juni bis 15. Juli. „Je älter, höher und härter die Halme beim Mähen sind, desto weniger gut lassen sich Giftpflanzen, wie beispielsweise Herbstzeitlose darin ausmachen – sie zerfallen und gehen unter. Hinzu kommt, dass sich Schimmelpilze an altes Gras legen – ein natürliches Geschehen, das man mit bloßem Auge nicht erkennt. Sie gelangen dann so ins Tier-Futter – bei manchen empfindlichen Pferden kann dies Anzeichen heftiger Erkrankungen wie z.B. Atemwegsprobleme oder Koliken hervorrufen. Gerade in regnerischen Jahren wie dem letzten, ist die Gefahr von Schimmelpilzen an älteren Gräsern besonders hoch.“
Also kauft man dann doch besser früher gemähtes Heu? „Ja, am besten versucht man unberegnetes Heu zu kaufen, wenn dies richtig gelagert wurde“, erklärt Weihrauch. „Denn, wie nahezu jeder Pferdebesitzer weiß, muss frisches Heu mindestens sechs Wochen vor der Verfütterung abgelagert werden, da zu diesem Zeitpunkt in den Ballen noch biochemische Prozesse stattfinden, die bei Pferden zu Koliken führen können.“
„Wichtig bei der Lagerung von Heu-Ballen ist, dass sie genügend Abstand voneinander haben, damit die Luft zwischendurch zirkulieren kann. Heu darf generell niemals direkt auf Stein gelagert werden, die Ballen sollten bei einem Steinboden im Lager auf jeden Fall auf Paletten gestellt werden. Wichtig ist auch der genügende Abstand zu Steinwänden. Denn auch hier kann es durch den Stein zu Lager-Schimmelbildung kommen. Vor allem in Bayern sieht man oft die bekannten ‚Heuschober‘, Hütten aus Holz, an allen Seiten geöffnet und oft belächelt.
Dennoch ist dies im Grunde die beste Art der Heu-Lagerung: Luftig, ohne Stein, mit einer Temperatur, die innen nicht viel kälter ist als außen, so dass Wasser nicht kondensieren kann. Von einer Lagerung in so genannten Weidezelten kann ich nur abraten – der Kunststoff der Zeltplanen ist luftundurchlässig und so können sich Schimmelpilze anlagern, denn Feuchtigkeit kondensiert: Nährboden für Schimmelpilze. Auch wenn die Ballen draußen unter Planen gelagert werden, sollten sie unbedingt auf Paletten stehen und die Planen dürfen auf keinen Fall direkt auf das Heu gelegt werden. Man kann in solchen Fällen beispielsweise Holz darauf legen und erst darüber die Plane decken. Was für Heu gilt, gilt übrigens auch für Stroh“, merkt die Grünlandberaterin an.
„Aber auch eine sorgfältige Lagerung schützt nicht komplett vor Schimmelpilzen. Häufig sieht man an den äußeren Lagen eines Ballens Anlagerungen von Flugschimmel. Der entsteht dann, wenn die Innentemperatur niedriger ist als die Außentemperatur.
Die warme Luft von draußen nimmt mehr Feuchtigkeit auf als die kühle Luft innen und diese legt sich dann als sichtbare Schicht auf den Heu-Ballen. Hier ist es geboten, den Ballen rundherum abzuwickeln und, wenn man sparsam sein will, die äußere Schicht nur gemischt mit den inneren, intakten Lagen zu verfüttern. Am besten legt man dieses Heu auch auf den Boden, so dass die Pferde die Möglichkeit haben, selbst zu selektieren, was fressbar ist und was nicht. Auf keinen Fall sollte solches Heu in Netzen verfüttert werden. Man muss bei der Boden-Fütterung sicher einiges an Heu beim Misten entsorgen, – aber letzten Endes spart das eine Menge Ärger und hohe Tierarztkosten.“
Schimmel im Heu kann man oft nicht mit dem bloßen Auge erkennen, was also empfiehlt die Fachfrau? „Da hilft lediglich die eigene Nase“, erklärt die Grünlandexpertin, die selbst Pferde hat. „Am besten nimmt man eine gute Hand voll Heu und riecht daran – die meisten Menschen erkennen den Geruch von Schimmel und oft reizt es, wenn es wirklich Schimmel ist, Augen und Nase.“
Dennoch weist Weihrauch abschließend darauf hin, dass Heu und Stroh Naturprodukte sind, die sich je nach den Wetterbedingungen eines Sommers in der Qualität unterscheiden – auch wenn sorgfältig geerntet und gelagert wurde. Auch dass einmal ein Stock oder ein Stein aus Versehen mit in die Presse geraten, kann vorkommen. „Das hat mit der Qualität nichts zu tun, man muss beim Füttern eben ein wenig aufpassen.“
„Stallgeflüster“ / E. Stamm



