Toughe Frau im Männerberuf: Hufbeschlagsschmiedin Vanessa Jäger
Wer an einen Huf-Schmied denkt, hat oft noch das Bild vor Augen: Glühendes Eisen und ein großer, kräftiger Mann, der mit dem Hammer und wuchtigen Schlägen das Metall bearbeitet. Tatsächlich ist dieser Beruf – auch heute noch – eine Domäne der Männer. Denn wer einen Pferdehuf bearbeiten will, arbeitet dabei in gebückter Haltung, braucht noch immer viel Kraft, Ausdauer und Geschicklichkeit, denn nicht jedes Pferd ist der Pediküre besonders zugetan.
Dennoch findet sich unter den Hufbeschlagsschmieden auch die eine oder andere Frau. Der Zufall will’s: Eine der Redakteurinnen von ‚Stallgeflüster‘ arbeitet mit einer solch toughen Frau zusammen. „Vanessa Jäger ist die Hufbeschlagsschmiedin unseres Vertrauens“, meint die Tochter der Redakteurin, die vor allem Ansprüche an den Umgang mit dem Tier stellt. Und ja, die junge blonde Frau, die sich mit den Pferde-Hufen beschäftigt, hat zu allen drei Pferden der Familie ein nahezu freundschaftliches Verhältnis.
Sie kennen ‚ihre‘ Hufschmiedin genau. Da fällt kein böses Wort, es gibt kein Geschrei – und wenn der ‚Große‘ mal versucht, sein Gewicht auf der Schmiedin abzulegen oder zu schaukeln, gibt’s eine ernsthafte Abmahnung – dann ist’s wieder gut. Vanessa verströmt eben – trotz ihrer spürbaren Freundlichkeit den Pferden gegenüber – eine natürliche Autorität und vor allem Gelassenheit. Dabei ist es völlig gleich, ob es sich um ein Freizeitpferd handelt oder um ein hochwertiges Sportpferd, das in den Europa- oder Weltmeisterschaften startet.
Kennen gelernt haben wir die junge Schmiedin als eines unserer Pferde schlimme Hufprobleme hatte, die nur in enger Zusammenarbeit zwischen Tierarzt und Hufschmied einigermaßen in den Griff zu bekommen waren. Vanessa setzte sich intensiv mit dem Problemhuf auseinander, fragte auch mal nach dem Urteil eines Kollegen und konnte das Tier so lange dies möglich war schmerzfrei stellen.
„Hufbeschlagsschmied ist ein anspruchsvoller Beruf, der deutlich mehr fordert als nur Kraft“, meint dazu die Fachfrau. Sie hatte sich vor Beginn ihrer Ausbildung genauestens informiert, zunächst in einem größeren Verkaufsstall als Praktikantin gearbeitet und dort die Pferde zum Beschlagen gebracht und den Hufschmieden bei der Arbeit auf die Finger geschaut. „Dabei kam bei mir das Interesse an diesem Beruf auf“, erzählt sie. Dann hatte ihr eigenes Pferd Hufprobleme und ließ sich nicht mehr von Männern behandeln. „Das war der Ausschlag für ein Praktikum bei einem Hufbeschlagsschmied und schließlich die Entscheidung für diesen anspruchsvollen Beruf.“
Natürlich hörte Vanessa nach ihrem Entschluss einige Zweifel: „Hast Du Dir das auch genau überlegt? Bist Du sicher, dass Du das kannst? Warum machst Du das?“, so die Unkenrufe aus dem Freundeskreis. Doch für Vanessa waren die Würfel gefallen.
„In der Ausbildung ging es nicht nur um handwerkliche Fähigkeiten“, erzählt sie uns. „Wir haben sehr viel über die Anatomie des Pferdes lernen müssen, alles über den Aufbau und die Funktion der Pferdehufe, die verschiedenen Techniken des Ausschneidens und Beschlagens sowie den Umgang mit Pferden, Eseln und Maultieren“.
Nach Abschluss der dreieinhalbjährigen Ausbildung erhielt sie 2013 ihren Gesellenbrief, schloss daran den für die staatliche Zulassung als Hufbeschlagsschmied notwendigen Vorbereitungslehrgang an und absolvierte 2014 erfolgreich die Prüfung zur staatlichen Anerkennung.
Natürlich will ‚Stallgeflüster‘ wissen, wie das so war, in der Ausbildung als Mädchen in einem Männerberuf, denn auch sie selbst kennt nur drei weitere Frauen, die in diesem Beruf unterwegs sind.
„Na ja“, beantwortet sie unsere Frage, „eigentlich war das ganz OK. Natürlich gab es mal den einen oder anderen blöden Spruch von Jungs aus der Berufsschule. Aber mein Motto war: Augen zu, Ohren zu und durch. Das ging durchaus gut und war gar nicht so schlimm. Mobbing z.B. gab es gar nicht.“ Auf Vorbehalte trifft sie auch heute noch immer mal wieder – vor allem bei Männern. Das sieht sie aber mit ihr eigenen Gelassenheit ‚Augen zu ….‘
Vanessa’s berufliche Leidenschaft heute gilt vor allem Tieren mit Hufproblemen. „Für mich ist es das Schönste, wenn ich ein Pferd durch einen orthopädischen Beschlag retten konnte, oder sehe, wie es einem Tier wieder gut geht.“
Was sie an ihrem Beruf am meisten verabscheut, das sind Kunden, die keine Rücksicht darauf nehmen wollen, dass ein Hufbeschlagsschmied, der während des gesamten Arbeitstages schwere körperliche Arbeit verrichtet, einen Feierabend braucht, ebenso wie ein Privat-Leben. Da fehlt es manchmal an Wertschätzung für unseren Berufsstand.
Große Sorgen bereitet der jungen Frau die Nachwuchsfrage. „Es gibt immer weniger junge Leute, die bereit sind eine solche Ausbildunge zu absolvieren und anschließend diesen Beruf, der auch mal Noteinsätze erfordert, ausüben wollen.“
Da kann man nur hoffen, dass sich diese Tendenz auch wieder zum Besseren wandelt. Denn jeder Reiter weiß, wie wichtig es ist einen guten Schmied an der Seite zu haben, sei er nun Mann oder Frau.
„Stallgeflüster“ / E. Stamm



