Am Rande des Turnierplatzes
Sepp Gemein ist seit 30 Jahren Landestrainer der rheinlandpfälzischen Springreiter, hat zahlreiche Kaderreiter auf ihrem Weg begleitet, hin zu Bundeskader, Goldenen Reitabzeichen, Nationenpreisen und Meistertiteln. In diesem langen Zeitraum haben sich viele Dinge verändert – aber nicht alle zum Besten. ‚Stallgeflüster‘ erhielt seine Beobachtungen zur aktuellen Entwicklung im Turniergeschehen.
Was ich in letzter Zeit immer häufiger beobachte, stimmt mich ein wenig nachdenklich. Sehr oft kommen die Reiter aus dem Parcours und das Erste, was sie tun, ist sich ein Getränk reichen zu lassen, um einen kräftigen Schluck zu nehmen, während der Sportpartner Pferd mit aufgeblähten Nüstern dort steht oder geht.
Ich finde dieses Verhalten etwas bedenklich. Zum einen besteht eine nicht unerhebliche Verletzungsgefahr und zum anderen finde ich es gegenüber den Pferden sogar unsportlich. Früher haben wir es gelernt, die Pferde etwas auszutraben, damit der Puls runtergeht und die Atmung wieder in den normalen Bereich kommt. Ich persönlich glaube, dass man nach dem Austraben absitzen kann, um ein Getränk zu sich zu nehmen. Verdursten wird so schnell keiner !
Ebenso fällt mir auf, dass das Schritt reiten dazu genutzt wird, um erst einmal alles zu checken was so gerade auf dem Handy interessant ist. Dann kommt das Handy in die Tasche, der Zügel wird angenommen und das Pferd muss funktionieren.
Ich finde, dass mein Pferd schon von Beginn an meine volle Aufmerksamkeit haben sollte. Beim Schritt reiten beginne ich mein Pferd auf meine Hilfen zu sensibilisieren. Umso schneller wird es die darauf folgenden Aufgaben gerne und aufmerksam meistern.
Handys oder andere harte Gegenstände, wie Schlüssel, E-Zigarette etc. sollten beim Reiten zuhause oder auf dem Turnier nicht unbedingt mitgeführt werden. Zum einen ist hier bei einem Sturz die Verletzungsgefahr sehr groß und zum anderen ist die Ablenkung, sei es beim Unterricht oder Abreiteplatz oder Parcours, erheblich. Um der Unfallverhütung auf dem Abreiteplatz durch den Gebrauch der Handys vorzubeugen, ist eine gut funktionierende Startertafel als Grundvoraussetzung anzusehen.
Da meist Begleiter unterstützen, kann man ihnen das Handy, sowie andere harte Gegenstände wie Schlüssel, Geldbörse, E-Zigarette etc. für die Zeit des Reitens anvertrauen.
Somit wird sich dann auf das Wesentliche konzentriert und euer Sportpartner Pferd, genießt die volle Aufmerksamkeit von euch, was sich durchaus positiv in den Ergebnissen widerspiegeln kann.
Starterlisten aus Papier sind von vielen Reitern und vor allem von vielen Zuschauern erwünscht, die teilweise nicht wissen wo sie suchen sollen oder gar kein internetfähiges Handy besitzen.
Ein kleines bisschen Retro wird der Umwelt nicht schaden und man kann ja einen kleinen Obolus für die Ausgabe von gedruckten Starterlisten erheben.
Was vielen Veranstaltern auch sehr unangenehm auffällt, dass der Transporterparkplatz nach dem Turnier einer Müllhalde gleicht.
Jeder ist sich selbst der Nächste und fegt seinen Hänger dort wo er steht leer, damit man mit sauberem Hänger nach Hause fahren kann. Solange es nur Pferdeäppel sind, ist das auf einer Koppel oder auf einem Reitplatz nicht so tragisch, wobei der Mistplatz oder die Entsorgungsstelle meist nicht weit entfernt ist.
Der andere Müll, insbesondere Glasflaschen, die dann versehentlich kaputt gefahren werden, muss mühselig und aufwendig entfernt werden und können gegebenenfalls eine Beweidung oder Bereiten durch Pferde nur noch eingeschränkt zulassen.
Damit uns nicht immer mehr Turniere wegfallen, ist mein Appell an alle, dies einmal zu überdenken und auch hier zum Wohl der Pferde und zum Wohle der Allgemeinheit zu agieren. (Miteinander heißt hier das Zauberwort!)
Bei einem Auftritt auf einen Turnier, sollten sich alle Reiter vorbildlich verhalten. Egal welcher Altersklasse man angehört, gibt es andere, die zu einem aufschauen. Deshalb sollte man immer ein positives Vorbild sein, egal ob es auf dem Transporter-Parkplatz, der Meldestelle, der Gastronomie, dem Vorbereitungsplatz oder dem Prüfungsplatz ist.
Dies sollten sich auch die Begleiter zu Herzen nehmen und mit Respekt und Rücksichtnahme miteinander umgehen. Ein ungebührliches Verhalten auf dem Turnier kann nicht nur zum Ausschluss des Reiters, sondern auch der Begleiter führen.
Wie in der Prüfung, sollte auch bei der Parcoursbesichtigung der Dresscode eingehalten werden. Sowohl die Parcoursbesichtigung, als auch die Siegerehrung sind Bestandteil der Prüfung und sind im ordnungsgemäßen Reitanzug zu absolvieren.
Sicherlich lassen manche Witterungsbedingungen es nicht immer zu. Hier wird auch keiner etwas sagen, wenn die Etikette nicht eingehalten wird.
Eine weitere Unart ist es, ständig mit Jacken über dem Jackett zu reiten, unabhängig davon ob es regnet oder zu kalt ist. Eine Vorgabe der Kleiderordnung besteht, und diese sollte die Normalität darstellen.
Ausreden, warum und weshalb, sind hier vielfältig. Sicherlich kann man in Extremstsituationen Zugeständnisse machen, aber mittlerweile ist das schon Normalität.
Als Reiter sind wir froh, auf Turniere fahren zu können, wobei die Ansprüche an Bodenverhältnisse , Parcoursaufbau, Hindernismaterial etc. einen immer größeren Stellenwert einnehmen.
Um diese Turniere weiter durchzuführen, brauchen Veranstalter eine Menge Geld, welches meist durch Sponsoren abgedeckt wird. Hier sei einmal allen Sponsoren und Ehrenamtlern gedankt, ohne die keine Turniere stattfinden würden!
Sicherlich ist ein Veranstalter dankbar über ein Lob, aber genausoüber eine sachliche und konstruktive Kritik, die zur Verbesserung seiner Veranstaltung beitragen kann.
Dummes Geschwafel, was alles schlecht ist, bringt keine Verbesserung und ist für viele Veranstalter ein Tritt in die Weichteile. Zumeist kommen diese unüberlegten Aussagen von Menschen, die kein Turnier veranstalten.
Mit unserem positiven Auftreten können wir einen Teil dazu beitragen, dass Sponsoren und Veranstalter, gerne an einer Fortführung von Turnieren interessiert sind.
In den letzten Jahren rückt unser schöner Sport immer mehr ins Blickfeld der Tierschützer. Teilweise selbst verschuldet, teils auch etwas überzogen.
Trotzdem sollten wir das nicht so einfach abtun, als ob uns das nicht interessieren würde, sondern wir sollten teilweise unser Handeln überdenken, und einige Dinge ändern, um einen pferdegerechten und positiven Eindruck zu hinterlassen.
Bei allem was wir tun, sollte das Wohlergehen unseres Sportpartners Pferd an erster Stelle stehen!
Sepp Gemein



