„Fühlen, was verbindet“

Das ist das Motto von Bernd Fuchs. Er hat eine Longe entwickelt, die das ermöglicht und gleichzeitig dazu dient,
Pferde mit korrekten Zügelhilfen an der Longe auszubilden und zu gymnastizieren.
„Longieren ist das Laufenlassen eines Pferds auf einer kreisförmigen Bahn, wobei es an einer Leine – der sogenannten Longe – geführt wird.
Das Longieren wird häufig in der Ausbildung junger Pferde angewandt. Beim bereits ausgebildeten Tier wird es zur Gymnastizierung, zur Lockerung der Muskulatur oder auch nach längeren Stehzeiten eingesetzt, um dem Pferd wieder Kondition anzutrainieren, ohne es mit dem Gewicht des Reiters zu belasten.“ So definiert das Online-Lexikon Wikipedia die Arbeit mit dem Pferd an der Longe.
„Longierst du schon… oder lässt du dein Pferd noch laufen?“ – Eine E-Mail mit diesem Betreff-Vermerk weckte die Aufmerksamkeit der Redaktion von „Stallgeflüster“. Denn ja, die Longe kennt jeder Reiter, vielfach nutzen wir sie, um unser Pferd zu bewegen, wenn wir nicht reiten können oder wollen. Doch Hand aufs Herz – wer von uns hat sich über die Arbeit mit der Longe schon ausführlich Gedanken gemacht? Wir verschnallen sie so, wie wir es auf die eine oder andere Art gelernt haben, oder nutzen einen Kappzaum wenn wir die Einwirkung auf das Gebiss nicht wollen. Eine ganze Familie, die sich mit dem Thema Longe ausführlich auseinandergesetzt hat, lebt in Gründau, einer hessischen Gemeinde, in der Nähe der Gemeinde Ronneburg und der Stadt Büdingen nur 45 Kilometer von Frankfurt entfernt. Grund genug für „Stallgeflüster“-Redakteurin Elke Stamm, sich auf den Weg zu machen und etwas Neues kennen zu lernen.
In Gründau treffen wir Bernd Fuchs mit seiner Familie, Frau Barbara und Tochter Kira. Bernd Fuchs, arbeitet seit mehr als 30 Jahren mit Pferden, fuhr Turniere, bildete junge Pferde aus, arbeitete als Trainer im Fahrsport und ist heute als Zuchtrichter deutschlandweit für verschiedene Zuchtverbände unterwegs. Von Hause aus, eigentlich gelernter Karosseriebaumeister, kam er erst Anfang der 80er Jahre, als er seine Frau kennen lernte, in Kontakt mit der Pferdewelt. Davor war er mit dem Motorrad im Motorsport unterwegs gewesen. Die Aufgabe gemeinsam ein junges Pferd groß zu ziehen und auszubilden, zog ihn in den Bann der Vierbeiner mit nur einem PS. Die Familie begann mit der Zucht von Friesen und blickt mittlerweile auf die Aufzucht und Ausbildung von fünfzehn Fohlen zurück. „Die Ausbildung der jungen Pferde an der Longe hat mich immer stark beschäftigt“, erzählt er uns. „Schließlich will man ja mit den Tieren richtig arbeiten und sie nicht nur an der Longe im Kreis laufen lassen. Dabei hat mich die Einwirkung der Hand auf das Gebiss besonders beschäftigt, denn das, was ich hatte stellte mich nicht so recht zufrieden: Die häufig genutzte Longierbrille war mir zu ungenau. Schließlich wollte ich unseren jungen Pferden ja etwas beibringen. Die Verschnallung am Gebissring war es auch nicht wirklich denn da zieht man ja das Gebiss durchs Maul.“
„Schließlich begann ich selbst zu tüfteln. Ich suchte nach einer pferdegerechten Longenarbeit, die eine stabile Begrenzung am äußeren Gebissstück bietet und zugleich die Möglichkeit am inneren Zügel einzuwirken. Denn letztendlich ist es das Ziel das Pferd innen zu stellen und zu biegen, also kurz, an der Longe ohne Reiter zu gymnastizieren.“ Fuchs experimentierte, schaffte sich Sattlerzubehör an und fand seine Lösung: Ein Einschnallstück, das eine pferdegerechte gefühlvolle Arbeit an der Longe ermöglicht. Seine arik-Longe wird in beide Gebissringe eingeschnallt – so wie die Zügel beim Reiten. Dadurch wirkt sie gleichmäßig und fein auf beide Seiten des Gebisses. Das Pferd erhält dadurch klare, stressfreie Impulse, fühlt sich besser geführt – nicht gezogen – und kann schneller loslassen, abkauen und in die Bewegung finden.
Doch damit natürlich nicht genug auch die Materialien der dazugehörigen Longen wurden überprüft. „Manche Pferde mögen eine weichere Longe, andere eine festere – das ist Gefühlssache.“ So nutzt er für jedes Pferd mit dem er arbeitet, die zu ihm passende Longe. „Schön ist es zu sehen, wie sich die Pferde auf diese Arbeit einlassen. Ich habe schon manch einen erlebt, der diese Art von Arbeit überhaupt nicht schätzte, der sich dann aber mit der arik-Longe fallen ließ und ganz locker und losgelassen mitarbeitete.“
Weitere Informationen:
arik-longe@gmail.com
Instagram: arik_Longe
„Stallgeflüster“ / E. Stamm
© Fotos: Archiv Fuchs



