Costa Rica – Pferde, Dschungel, Reis und Bohnen
Das Abenteuer beginnt nach einem 12-stündigen Flug in San José.
Wir werden von unserem Tourguide abgeholt und zu den Pferden gebracht. Ich bekomme das Stütchen Princessa zugeteilt, einen sechsjährigen Fliegenschimmel, mit dem ich mich auf Anhieb gut verstehe. Die Pferde sind schmal und klein, das Aufsteigen ist leicht, und schon geht es los. Gleich zu Beginn eine Flussüberquerung – mein braves Pferdchen sinkt bis zum Bauch ein, marschiert aber wacker voran.
Dann geht es über Schotterwege in die Berge. Ich richte mich im Sattel ein und tauche in das Abenteuer Regenwald ein. Die Vegetation ist unglaublich. Durch die früh eingesetzte Regenzeit ist alles üppig, grün und überdimensional, vor allem was die Blütenpracht angeht. Tiere lassen sich derzeit mehr hören als sehen, einmal erspähen wir einen Tukan, und ein Orchester von Zikaden begleitet uns fiedelnd und zirpend. Es geht auf und ab, immer wieder durch kleinere Bächlein. Ich bewundere Princessas Gelassenheit, die sich durch winzige Hilfen gut händeln lässt und deutlich tiefenentspannter ist als so mancher nervöse Kollege.
Nach mehreren Stunden erreichen wir im Nirgendwo eine kleine Hacienda. Wir werden reich beköstigt mit Fisch, Reis, schwarzen Bohnen und Salat, dazu selbstgemachte Limonade, die nach dem trockenen Ritt erstmal das Wichtigste ist. Dann öffnet der Himmel die Schleusen. Regen, Blitz und Donner halten stundenlang an. Der Regenwald zeigt sich von seiner eindrucksvollsten Seite.
Zum Frühstück gibt es Pfannkuchen, selbstgemachte Marmelade, Honig, Bananen, Papaya und Wassermelone. Es könnte uns schlechter gehen. Und doch sind sie von Anfang an dabei: Reis und Bohnen. Noch bevor es wieder losgeht, steht bald schon wieder das Mittagessen aus Reis und Bohnen auf dem Holztisch.
Am nächsten Tag geht es erneut zu Pferd in den Wald. José reitet voran, Princessa und ich schließen uns an. Es wird ein Ausflug in die Botanik. Die Tierwelt ist weiterhin zurückhaltend, dafür begleiten uns die prächtigen Schmetterlinge, allen voran der handtellergroße blaue Morpho-Falter, der wie ein fliegendes Schmuckstück vor uns auftaucht. In Costa Rica glaubt man, dass er die Seele von Verstorbenen verkörpert, die weiter am Alltag der Lebenden teilhaben möchte.
Der Waldboden ist durch den Regen aufgeweicht, die teils steilen Passagen stellen Pferde und Reiter vor Herausforderungen. Bergab reite ich Princessa am langen Zügel und lasse sie einfach machen. Umsichtig sucht sie sich ihren Weg zwischen Steinen und Schlamm und verliert auch in schnell fließenden Gebirgsbächen nicht den Halt. Baumhohe Farne, Mimosen, Bananenstauden, wilde Papaya-, Zimt- und Gumbo-Bäume, tiefrote Hibiskusblüten – Lianen und Epiphyten verbinden alles zu grünen Wänden und Tunneln.
Zum Abschluss legen wir sogar einen kleinen Galopp ein. Danach folgen Wasserfall, Siesta und das Pressen von Zuckerrohrsaft. Um 4 Uhr nachmittags schüttet es dann wie aus Eimern. Alles richtig gemacht. Zum Abendessen gibt es wieder Reis, Bohnenbrei, Nachos und Guacamole. Ich sag’ dazu erstmal nichts.
Am nächsten Reittag geht es weiter in die Berge. Frühstück um 7 Uhr – und auch an die unvermeidlichen Bohnen zum Frühstück – diesmal mit gebratenen Bananen und Sauercreme – kann man sich dran gewöhnen. Princessa zeigt sich ausdauernd, gehorcht auf kleinste Hilfen und besitzt einen beachtlichen Vorwärtsdrang. Die Wege werden länger, die Steigungen heftiger, die Pferde kommen ins Schnaufen. Nach mehreren Stunden erreichen wir eine kleine Finca. Dort steht bald das Mittagessen auf dem Tisch: Reis und Bohnen, aber mit Beilage (!) – Salat, Avocados, Fleisch (und für mich tatsächlich eine Soja-Alternative!). Abends gibt es Reis, Bohnenbrei, Nachos und Guacamole. Ich sag’ dazu erstmal nichts.
Ein weiterer Tag führt uns bergab in ein kleines Dorf mit einer Pulperia. Ohne Gepäck kommt Tempo in die Sache, Princessa lässt die Hufe fliegen. Zwischendurch galoppieren wir, wo es der Weg erlaubt. Als es wieder steiler wird, merken wir, wie erschöpft die Pferde sind. Zum Mittagessen gibt es Reis, Bohnen, gebratenen Fisch und Gemüse. Ob es wohl so etwas wie ein Mahlzeiten-Brettspiel gibt, das mit diversen Bausteinen für die einzelnen Lebensmittelkategorien funktioniert, wobei die Felder „Reis“ und „Bohnen“ aber grundsätzlich immer besetzt werden müssen ….? Eigentlich würde ich gerne mal wieder ein Stück Brot essen. Aber das gibt es wohl höchstens als Ereigniskarte…
Zu Fuß erkunden wir den Dschungel. Gut gestärkt durch Reis, Bohnen, Rührei und frische Papaya brechen wir auf. Riesige Farne, Guava-Bäume, Kakaopflanzen – und die Vorstellung, dass „Jurassic Park“ hier spielt, passt erschreckend gut zur Kulisse. Osman zeigt uns essbare und giftige Pflanzen – und ohne Reis und Bohnen würden wir alle vor die Hunde gehen. Mittags gibt es Reis, Gemüse, Avocado und gebratenen Fisch, gefolgt von einer frisch geernteten Mango. Am Abend übertrifft die Küche sich selbst: Tamales mit Bohnenpaste, Avocado, Salat und KEINEN Reis.
Dann steht der längste Reittag an, hinunter Richtung Küste. Unterwegs sehen wir Echsen, Pfeilgiftfrösche, Ameisenstraßen. In einem Dorf machen wir Rast, essen Empanadas – sie sind mit Bohnen und Reis gefüllt – und genießen ein kühles Getränk. Pura vida. Immer wieder kreuzt der Rio Turrubaritos unseren Weg und wird durchritten, bis er sich in ein breites Flussbett öffnet. Schließlich erreichen wir unsere letzte Herberge nahe der Küste.
Am letzten Reittag lebt der Regenwald auf. „Lapa!“ – Scharlach-Aras. „Monkeys!“ – Kapuzineraffen. Später sogar ein Nasenbär. Ein aufgeweichter Pfad wird zur ernsten Herausforderung. Princessa rutscht in eine Rinne und steckt fest, befreit sich schließlich selbst – tapfer, aber verletzt. Dann liegt er plötzlich vor uns: der Pazifik. Die Brandung ist zu hören, der Horizont endlos.
Am Strand von Playa Hermosa reiten wir ein letztes Mal. Während die Gruppe im gemäßigten Tempo bleibt, galoppiere ich mit Princessa ein letztes Mal am Saum des pazifischen Ozeans entlang. Wunderschön. Und dann kommt unser Essen. Vorsichtig öffne ich den Styroporbehälter. Ein Stückchen gebratener Fisch liegt auf einem Klumpen Reis und Bohnen …
Abends sitze ich bei Tortillas und Mojito – aber mein Herz ist bei einer kleinen Schimmelstute, die für immer mit meinen Erinnerungen an Costa Rica verbunden sein wird.
Weitere Informationen zu dieser Reise unter www.pferdreiter.de/amerika/costarica/
Dagmar Engel MacDonald



