Trotz Krieg im Nahen Osten: Der Friedenstreck mit vier Gespannen, einem Reiter und fünfzehn Menschen ist auf dem Weg nach Jerusalem.

Bereits in den Ausgaben der vergangenen Jahre berichtete ‚Stallgeflüster‘ regelmäßig über den – damals noch – geplanten Friedenstreck mit Pferden nach Jerusalem
Jetzt, am 8. Mai, dem 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs und der Shoah, verabschiedete sich am Brandenburger Tor der Friedenstreck endgültig auf den Weg von Berlin nach Jerusalem. Rund 2.000 bis 3.000 Menschen begleiteten den Auftakt dieser besonderen Initiative für Verständigung, Erinnerung und Frieden.
Sechs Treckgespanne, zwei Gastgespanne, zwei Reiter mit insgesamt 15 Pferden brachen auf, um nach 4.800 Kilometern und der Durchquerung von elf Ländern im Dezember in Jerusalem einzutreffen. Mit dabei: die Friedensglocke, gegossen aus altem Militärschrott. Einer der Schirmherren, Generalsuperintendent der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) Kristóf Bálint erinnerte bei der Verabschiedung daran, dass in Kriegszeiten Kirchenglocken eingeschmolzen wurden, um Waffen herzustellen – die Friedensglocke gehe den umgekehrten Weg.
‚Stallgeflüster‘ wird diese bemerkenswerte und ungewöhnliche Initiative des Vereins auf ihrer Reise (telefonisch) begleiten und Sie über die Fortschritte auf dem Laufenden halten. Zum ersten Mal auf der Strecke sprachen wir Anfang Juni mit Heinz Bley, der den kompletten Weg mit seinen Pferden zurücklegen will. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Gruppe die tschechische Grenze erreicht und passiert.

„An der Grenze wurden wir am 24. Mai von zehn Bundespolizisten und einigen Veterinären empfangen. Doch die Papiere unserer Tiere waren in Ordnung – so verlief in Tschechien alles völlig unkompliziert und sehr freundlich. Wir hatten tolle Begegnungen und trafen auf große Gastfreundschaft. Besonders bewegend empfand ich die Begegnung mit einem Mann, der uns Gemüse aus seinem Garten brachte und später in unserem Nachtquartier erschien. Er hatte ein Foto seines verstorbenen Sohnes dabei und bat uns dieses mit nach Jerusalem zu nehmen.“
Am 8. Juni überfuhr der Treck in Bunnhöf die österreichische Grenze. „Auch hier wurden wir gastfreundlich empfangen, eine Abordnung des Trecks sogar im österreichischen Parlament. Natürlich waren wir auch in Wien und fuhren durch die Stadt bis zur Hofburg.“
Als ‚Stallgeflüster mit Heinz Bley spricht, befindet er sich gerade in Rohrau, wo der Friedenstreck direkt vor dem Schloss sein Nachtlager aufschlagen darf. „Eine beeindruckende Kulisse“, erzählt uns Heinz Bley. „Und abends kamen die Mitglieder diverser Reit- und anderer Vereine zu Besuch.“
Am folgenden Tag geht es weiter in Richtung slowakische Grenze – aber Heiz Bley ist voller Zuversicht, dass auch hier – trotz der derzeit in Österreich grassierenden Maul- und Klauenseuche – alles problemlos verlaufen wird.

„Probleme unterwegs?“ will ‚Stallgeflüster‘ natürlich noch wissen. Aber auch hier wiegelt Bley ab. „Natürlich gibt es nach einiger Zeit in einer Gruppe immer mal wieder Differenzen – vor allem wenn Kälte und Nässe den Menschen zusetzen. Aber schließlich sind wir auf einer Friedensmission unterwegs – da ist es uns auch untereinander möglich den Frieden zu wahren.“
„Apropos Frieden – glauben die Mitglieder des Trecks noch immer daran, dass sie trotz der derzeitigen politischen Situation im Nahen Osten Jerusalem erreichen werden?“ Da ist sich Heinz Bley ganz sicher: „Bis wir dort ankommen, ist die Lage sicherlich schon geklärt.“ Da kann ‚Stallgeflüster‘ nur weiterhin eine gute Reise wünschen und dass den Menschen auf ihrer Friedensmission die Zuversicht erhalten bleibt.
„Stallgeflüster“ / E. Stamm



