Sir Quickly und Benjamin: Zwei Kumpels im Wald – Mensch und Pferd in kollegialer Abstimmung

„Für die Arbeit im Wald brauche ich einen zuverlässigen Partner, der ebenso wie ich die Arbeit erfolgreich erledigen will.“
Das sagt Benjamin Lakowski, Forstwirtschaftsmeister, Betreiber eines Baumpflege-Unternehmens und nebenbei ein Pferdemensch, der seinen Beruf auch gerne mal mit dem Vierbeiner im Wald ausübt. Derzeit erarbeitet er gerade mit seinem vierjährigen süddeutschen Kaltblut-Wallach Sir Quickly die Grundlagen des Holzrückens im Wald. ‚Stallgeflüster‘ hat ihn dabei für einige Stunden begleitet.
Die Grundvoraussetzung für eine solche Arbeit mit dem Pferd ist, dass es intelligent ist, neugierig statt panisch und dass es vor Beginn der ersten Waldausflüge die Grundlagen kennt. Sir Quickly – sein Name entstand übrigens in Anlehnung an die Fernsehserie des Bayerischen Rundfunks ‚Irgendwie und Sowieso‘, in der Jungbauer Alfons Kerschbaumer (gespielt von Ottfried Fischer) wegen seiner NSU Quickly von allen nur ‚Sir Quickly‘ gerufen wird. Eine Fernsehserie, die auch heute noch in Bayern Kultstatus genießt.

Doch zurück zu dem vierbeinigen Sir Quickly. Er ist die Verkörperung eines jungen, aufmerksamen Pferdes, dass sich vor nichts fürchtet, sondern alles erst einmal genauestens untersucht. „Seine orale Phase hat er noch nicht hinter sich,“ grinst sein Besitzer als Quickly erst einmal den Anorak der Redakteurin genauestens prüft. Bejamin Lakowski hat ihm schon vieles gezeigt, vor dem er sich gar nicht fürchten muss. Dazu gehört u.a. ein Laubsauger, der zwar überaus geräuschvoll ist, das goldene Fell des Süddeutschen jedoch schön aufplustert – Quickly scheint’s zu genießen. Auch wenn Herrchen eine Cracker-Peitsche in die Hand nimmt und Krach macht, ist das nicht weiter tragisch: Die tut schließlich nichts, da ist sich Quickly sicher.
Die Kommandos für rechts und links (hott und wiest) sowie zurück kennt der Nachwuchs-Waldarbeiter schon, ebenso hat er gelernt, langsam anzugehen und nicht gleich loszurennen. Das Ziehen hat er an einem Reifen geübt, zusammen seinem erwachsenen Kumpel Schorsch, den mit seinen 23 Jahren nichts so wirklich aus der Ruhe bringt. Auch von ihm hat er vieles gelernt und abgeschaut: Sicherheit an der Kutsche, unterschiedliche Gegenstände, die einem Pferd schon mal ‚spanisch‘ vorkommen können und vor allem: Eine für ein so junges Pferd unerschütterliche Ruhe, die er gegenüber den Menschen, die da vorbei kommen, ausstrahlt.
„Mit einem Pferd arbeiten kann man immer, bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit“, erklärt Benjamin Lakowski. Wenn es regnet, kann man beispielsweise eine Kette zeigen, die später beim Holzrücken nötig ist. Oder kann üben auf ungewöhnlichem Untergrund wie einer Plane zu laufen – Möglichkeiten dem Pferd etwas Neues, Ungewohntes zu zeigen, bieten sich viele und überall. Das beginnt schon, wenn man sie von der Koppel holt, dabei Autos begegnet, Kinder winkend und mit Luftballons bewaffnet über die Straße rennen.“Ganz wichtig ist es Lakowski, dass er seinen Nachwuchs nie überfordert. „Es geht bei uns wie bei der Reitpferdeausbildung auch von leicht nach schwer.“ Gemeinsam mit Tochter Marlene zeigt er uns, wie man vorsichtig mit der Arbeit an den Leinen beginnt. Marlene muss zunächst den Pferdekumpel Schorsch ersetzen und neben Sir Quicklys Kopf gehen, damit er die Sicherheit, die ihm Schorsch vorher vermittelte, nicht zu früh vermisst.
Das tut die Vierzehnjährige dann auch mit ähnlicher Gelassenheit wie der neben ihr laufende Youngster – und das, obwohl Mädels in diesem Alter sicher auch noch anderes im Sinn haben, als Führpferd zu spielen. Die Leinen sind bei dieser Anfangsübung immer offen, um Gefahrensituationen, die auch bei solch einem braven Charakter wie Quickly einmal auftreten können zu vermeiden. Er macht seine Arbeit mit dem Reifen völlig ungerührt obwohl sich die Übungswiese an die Gärten einiger Häuser grenzt. Dort spielen Kinder, fahren Mütter ihre Kinderwagen mit Sonnenschirmchen spazieren – den Vierjährigen stört das alles nicht im geringsten. Doch dann geht’s hinaus in den Wald. Hier gibt es ein Stück, in dem Wind und Wetter einigen Schaden angerichtet haben. „Das ist unser Übungsplatz“, erklärt Lakowski. Er hat mit dem zuständigen Förster eine Vereinbarung – er darf hier seine Kettensäge- und Holzrückkurse durchführen, dafür räumt er für den Forst mit seinen Pferden gründlich und ordentlich auf.
Ein wenig unzugänglich ist der Waldhang schon – Trittsicherheit ist, wenn man den Hauptweg verlassen will, schon erforderlich. Doch Sir Quickly hat damit gar keine Probleme. Geschickt und wendig erklimmt er den Hang, sucht sich dabei immer den besten Weg und tut so, als wären Pferde für Kletterpartien im Wald mit Unterholz geboren.
„Sich sicher auf unebenen Flächen im Wald zu bewegen, hat er bei Spaziergängen, gelernt, die ich mit ihm gemacht habe“, erklärt uns sein Chef. „Dabei habe ich immer darauf geachtet, dass er anfangs nicht zu lange mit mir unterwegs war. Schließlich strömen im Wald viele neue Eindrücke auf ein Pferd ein.
Das muss er erst verarbeiten dürfen. Das heißt natürlich, dass ich ihm unterwegs auch immer Zeit lasse, nachzudenken, die Dinge für sich zu sortieren, zu überlegen, wie er bestimmte Situationen am besten löst. Ich brauche schließlich bei der Arbeit einen Kollegen, der mitdenkt.“ Und dass Sir Quickly mitdenkt, stellt er dann sofort unter Beweis. Er hat mit seinem Herrn einige leichte Stämme auf den Weg gezogen, und aufgestapelt, als wir von ‚Stallgeflüster‘ darum bitten, an einer anderen Stelle etwas herauszuziehen:
Da ist Quickly aber äußerst irritiert, dass er nicht wieder dort hin geht, wo schließlich noch einige Stämme liegen und auf den Abtransport durch ihn warten. Doch brav geht er mit an den anderen Platz und holt dort einen Stamm. Hier gestaltet sich der Rückweg zum Holzstapel jedoch nicht ganz so einfach wie zuvor – da gibt es einen Engpass zwischen zwei Bäumen und etwas Unterholz.
Sir Quickly muss eine Kurve laufen, damit der kleine Stamm nicht hängen bleibt, sich verkantet und sein Chef ihm ungefährdet folgen kann. Doch auch diese Kurve hat er ganz schnell verstanden und läuft sie beim zweiten Mal ganz ohne die leisen Stimm-Hilfen seines Herrn von selbst.
Da bekommen wir als Zuschauer einmal einen Eindruck von der Genauigkeit, mit der ein Holzrückpferd arbeiten muss: Zieht er den Stamm zu weit rechts oder links, bleibt der hängen, verkantet sich eventuell und kann zur Gefahr für die Beine des Leinenführers werden. Doch nicht nur Gefahren-Vermeidung sondern auch Arbeitsersparnis bedeutet die Präzisionsarbeit des Pferdes. Denn wenn der Leinen-Führer den Stamm erneut abhängen und anhängen muss, kostet das viel überflüssige Zeit und Arbeit.
„Quickly darf noch keine wirklich schweren Stämme ziehen – er lernt noch und wir arbeiten derzeit an der Exaktheit. Ich will ihn auf keinen Fall so ermüden, dass er nach der Arbeit völlig fertig ist. Er soll Spaß daran finden, dann wird er seinen Job ebenso wie jetzt auch in Zukunft gerne und kollegial machen.“ Denn, dass der Jungspund Spaß an den Waldausflügen hat und seine eigene Geschicklichkeit ganz offensichtlich genießt – das lässt sich nicht übersehen.
Konakt:
Telefon 06441 – 89 75 220

„Stallgeflüster“ / E. Stamm



